Probleme in der UK

Frau weiss nicht weiter - Probleme in der UK

 

 

Unterstützte Kommunikation (UK) ist weit mehr als das blosse Vorlegen von Symbolkarten. Es ist eine komplexe, interdependente Kunst, bei der kleine Missverständnisse oft grosse Barrieren im Alltag kognitiv beeinträchtigter Menschen errichten können. Doch Kommunikation ist keine Einbahnstraße – Fehler sind in diesem Prozess keine Zeichen von Scheitern, sondern wertvolle Wegweiser für eine bessere Konflikt- und Fehlerkultur.

 

 

Komplexität von UK

 

Häufig entstehen Engpässe nicht durch mangelnden Willen, sondern durch eine Unterschätzung der Komplexität von UK. Werden beispielsweise nur Einzeltafeln zur Eruierung von Bedürfnissen (wie einem Ausflug) genutzt, entstehen oft mehr Fehlerquellen, als wenn auf strukturierte, mehrstufige Piktogrammsätze zurückgegriffen wird.

 

Dabei spielt nicht nur der Inhalt (die reinen Wörter) eine Rolle. Gemäss der 7-38-55 Regel machen die Fakten nur 7 % der Wirkung aus – während Stimme (38 %) und Körpersprache (55 %) entscheidend dafür sind, ob eine Botschaft empathisch ankommt oder im Sande verläuft.

 

 

In der folgenden Übersicht haben wir 20 typische Stolpersteine für Sie zusammengestellt – von der vernachlässigten Stimme bis hin zum Wissenbedarf über Metacom-Symboltypen. Diese Liste dient Ihnen als Werkzeug zur Selbstreflexion und als Basis für ein professionelles Qualitätsmanagement in der UK.

 

 

Entdecken Sie, wie Sie durch das Bewusstsein für diese Fehler die Kommunikation mit Ihren Klienten lebendiger, effektiver und freudvoller gestalten können.

 

 

20 typische Kommunikationsfehler in der Unterstützten Kommunikation (UK)

 

I. Methodische und Strategische Fehler

 

 

Diese Fehler betreffen die grundlegende Herangehensweise an die Kommunikation.

 

  • Mangelndes Modeling: Die Bezugsperson nutzt das Hilfsmittel nicht selbst im Gespräch, wodurch das Vorbild fehlt.
  • Fokus auf Abfrage statt Dialog: Es werden nur Testfragen gestellt (z. B. „Zeig mir den Apfel“), statt echte Bedürfnisse zu teilen.
  • Zu geringer Wortschatz: Die Beschränkung auf Einzelsymbole statt der Nutzung von Piktogrammsätzen verhindert komplexe Sätze.
  • Fehlende Wartezeit: Dem Klienten wird nicht genug Zeit gegeben, um eine Antwort über das UK-Medium zu formulieren.
  • Ignorieren der 7-38-55 Regel: Die rein verbale Ebene (7 %) wird überbewertet, während Stimme (38 %) und Körpersprache (55 %) bei der Piktogramm-Einführung vernachlässigt werden.

 

II. Inhaltliche und strukturelle Defizite

 

 

Hier geht es um die Auswahl und Organisation der Kommunikationsangebote.

 

  • Vernachlässigung von Piktogrammen: Wichtige Kernwörter (ca. 50 oft vernachlässigte Symbole) werden im Alltag nicht angeboten.
  • Fehlende Bibliotheken für sensible Themen: Es gibt keine vorbereiteten Gesprächseinheiten für schwierige oder notwendige Themen.
  • Mangel an Mehrstufigkeit: Die Kommunikation bleibt oberflächlich, da keine mehrstufigen Gesprächseinheiten für kognitiv beeinträchtigte Klienten existieren.
  • Unpassende Symboltypen: Die Anzahl oder Art der verwendeten Metacom-Symbole entspricht nicht dem Entwicklungsstand des Nutzers.
  • Fehlende Individualisierung: Der individuelle Tagesplan wird nicht in die UK-Strategie integriert.

 

III. Haltung und Interaktion (Fehlerkultur)

 

 

Diese Fehler liegen oft in der Einstellung der Kommunikationspartner begründet.

 

  • Fehlende Empathie: Die Arbeit mit UK wird als rein technische Aufgabe statt als empathischer Prozess gesehen.
  • Mangelnde Fehlerkultur: Fehler bei der Eruierung von Bedürfnissen (z. B. bei Ausflügen) werden nicht systematisch reflektiert.
  • Unterschätzung der Komplexität: Die Interdependenz der Bedürfnisse (Bedürfnispyramide) wird bei der Auswahl der Tafeln ignoriert.
  • Zu wenig „Spass“: Der Fokus liegt zu stark auf Funktionalität und zu wenig auf der Freude an der Kommunikation.
  • Demotivierung durch Überforderung: Zu viele Symbole auf einmal ohne schrittweise Einführung (10er Tafeln vs. Piktosätze).

 

IV. Organisatorische Engpässe

 

 

Hürden im Umfeld, die den Erfolg der UK behindern.

 

  • Fehlendes Qualitätsmanagement: Es findet keine Überprüfung der Effektivität und Effizienz statt.
  • Wissens- und Erfahrungsbedarf: Die Begleitpersonen verfügen nicht über ausreichendes Fachwissen zur Kunst der Piktogramme.
  • Einseitige Hilfsmittelwahl: Es wird starr an Einzeltafeln festgehalten, statt flexibel auf Piktogrammsätze zu setzen.
  • Fehlende Dokumentation: Erfahrungen und Fragen aus dem Alltag werden nicht gesammelt, um Lösungen für Engpässe zu finden.
  • Ignorieren von Einwänden: Schwierigkeiten im Team oder bei Angehörigen werden nicht offen thematisiert.

 

 

Fehler in der UK

Fehler in der UK sind oft wertvolle Lernchancen für eine bessere Fehler- und Konfliktkultur. Die Vermeidung dieser klassischen Fehler verbessert die Effektivität der Kommunikation erheblich.